Nepal Tag 5-05 Panauti

Wie viele Flussmündungen ist auch die von Panauti besonders geheiligt und Ziel der Pilger, vor allem während der alle 12 Jahre stattfindenden Makar Mela, wenn sich Tausende von Hindus hier zum rituellen Bad einfinden (letztes Mal 1998).

Um Panauti rankt sich eine Legende, wie auch anders. Einst begehrte der mächtige vedische Gott Indra die schöne Ahiliya, Gemahlin des jähzornigen Weisen Gautam. Um sein Ziel zu erreichen, nahm der Gott die Gestalt des Weisen an und verführte die ahnungslose Ahiliya. Gautam erwischte die beiden jedoch in flagranti und belegte den Gott mit einem Fluch, der seinen Körper völlig mit weiblichen Geschlechtsteilen (Yoni) bedeckte. Gedemütigt verließ Indra mit seiner Frau Indrayani die Heimat und gelangte nach Panauti, wo er zu Shiva und Parvati betete. Diese hatten schließlich Mitleid und verwandelte zunächst Indrayani in einen unsichtbaren Fluss. Dann manifestierte sich Shiva durch einen steinernen Lingam am Ufer. Als Indra nun ein Bad nahm, gewann er wieder seine alte Gestalt. Die Geschichte ist ein interessanter Beleg für den Niedergang des einst mächtigsten Gottes des vedischen Pantheons. Heute hat der einstige Götterkönig nur noch den bescheidenen Rang eines Himmelswächters, zuständig für den Osten.

Wir gehen am Brahmayanitempel vorbei. Er stammt aus dem 17. Jh. Beachtenswert sind das Tympanon mit einem Bildnis der Muttergöttin Brahmayani auf ihrem Reittier, dem Schwan (hamsa) und Reste von Wandmalereien im Heiligtum .

An uns vorbei geht ein Mann mit einer Dreschmaschine auf dem Rücken. Dieses Gerät hatten wir kurz zuvor in Aktion gesehen und bestaunt.

Wir gehen über eine kleine Hängebrücke und zum Zentrum der Tempelanlage. Hier gibt es viele kleine Kinder. Die freuen sich über die Touristen und setzen sich zum Fotografieren in Position.

Beherrscht wird die Anlage vom Indreshvaratempel. Er wurde zu Beginn des 15. Jh. über dem legendären Shiva-Lingam und das dritte Dach wurde später hinzugefügt. 1988 zerstörte ein Erdbeben das Bauwerk. Die Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten wurden durch Franzosen durchgeführt und sie sind teilweise noch dabei, diese Anlage wieder im alten Glanz erscheinen zu lassen.

Aus der Frühzeit stammen die hölzernen, mit Skulpturen verzierten Stützbalken der beiden unteren Dächer, die damit die wohl ältesten Holzschnitzarbeiten des Landes bewahrt haben. Die unteren zeigen Figuren aus den Epen Mahabharata und Ramayana und die am zweiten Dach Baumnymphen. Diese aus der indischen Plastik hervorgegangenen Figuren finden sich auch am kleinen Shiva-Schrein in der Nordwestecke des Tempelbezirkes.

Die beiden anderen Tempel liegen am Zusammenfluss von Punyamata Khola und Rosi Khola. Auf der Landzunge hat der dreistöckige Krishnatempel aus dem 17. Jh. seinen Platz gefunden. Hölzerne Pfeiler mit Darstellungen von Krishna, seiner Gemahlin Radha und seiner Gespielinnen (gopi) tragen das untere Geschoss des 16 m hohen Heiligtums. Skulpturen eines Nandibullen sowie der Gottheiten Ganesh, Surya und Vishnu sind im Hof aufgestellt.

Schade, dass es schon recht dunkel wird. Das Licht taugt nicht mehr zum Fotografieren. So kann man auch nicht die Stimmungen einfangen, die sich ausbreiten. Wir gehen zum Bus.

Am Straßenrand befinden sich Verkaufsstände, diesmal aber nicht auf Touristen ausgerichtet, sondern für die Einheimischen. Es gibt viel Gemüse, Vijay erklärt uns einige uns unbekannte Gemüse und Gewürze. Da sehen Früchte aus wie Stachelbeeren, sind aber keine. Aus ihnen wird eine Art Chutney hergestellt. Und dann werden Teigtaschen in Fett gegart. Sie sind entweder herzhaft oder süß, diese werden noch zusätzlich in Honig getaucht. Das sieht alles so lecker aus. Schade, dass meine Angst vor Montezumas Rache größer ist, als die Neugier und der Appetit.