Nepal Tag 3-02_Dakshinkali

Es sind Terrassenfelder mit unterschiedlicher Bepflanzung und dadurch unterschiedlichsten Farben. Wir machen einen Zwischenstopp zum Fotografieren. Der Reis wird gerade geerntet. Das Stroh wird geschnitten und zum Trocknen ausgebreitet. Es wird geerntet wie bei uns vor 100 Jahren. Alles mit der Hand, der Reis abgeschnitten, mit der Hand die Garben gebunden und diese zu Puppen aufgestellt. Nach dem Trocknen werden die Garben mit der Hand auf den Boden geschlagen und somit gedroschen.

Tierfreunde und zartbesaitete Gemüter sollten den Besuch lassen, insbesondere an den Hauptopfertagen Samstag und Dienstag, wenn unzählige Hühner und Ziegen ihr Leben lassen müssen und die ganze Anlage in Blut getaucht ist. Fremden ist der Zutritt zum Tempelhof, in dem die Opfer vollzogen werden, verwehrt und das ist auch richtig so. Die Tiere werden hier geschlachtet, ihr Blut geopfert und das Fleisch mit nach Hause zum Essen genommen.

Das Opfern ist ein aufwändiger Ritus, denn die Tiere müssen erst gewaschen werden bevor sie geschlachtet werden können. Außerdem dürfen nur männliche Tiere geopfert werden. Wenn sich ein Tier beim Bespritzen mit Wasser nicht schüttelt, wird es nicht geschlachtet, dann ist es unrein und behält sein Leben für immer. Es bekommt dann ein Glöckchen um den Hals. Beim schlafenden Vishnu haben wir so einen kleinen schwarzen Ziegenbock gesehen. Der Kopf der Tiere wird vor dem Bildnis der Kali mit einem Hieb vom Körper getrennt. Laut Glauben kann Kali das Böse zerstören. Zitternd vor Wut tropft ihr dabei das Blut aus dem Mund. Hindus ersetzen den kostbaren Saft durch ihre Blutopfer, in dem Glauben, dass ihre Sünden vergeben werden, Wünsche in Erfüllung gehen und gleichzeitig eine unglückliche Seele von ihrer Wiedergeburt als Tier erlöst wird.

Wir gehen an Verskaufsständen vorbei, die tibetische Kunstgegenstände anbieten und vor allem Blumenkränze, gewunden aus Studentenblumen, demzufolge kräftig gelb oder orange, sind sie für das Opfern und die Göttin bestimmt.

Das Heiligtum liegt in einer düsteren, bewaldeten Schlucht. Es ist der rechte Rahmen für diese blutdürstige Göttin Kali. Der Opferplatz ist ein vertieftes Geviert am Zusammenfluss zweier Bäche, die etwas weiter in den Bagmati münden.

Heilige Plätze dieser Art, Pitha genannt, finden sich rings um die Städte des Kathmandutales, errichtet als Abwehrposten gegen böse Einflüsse von außen. Wie in Dakshinkali manifestiert sich in ihnen die Inkarnation der großen Göttin Durga, sei es als Kumari, Mahakali, Indrayabi Mahalakshmi oder in Gestalt der Astamatrkas.