Nepal Tag 2-11_Bodnath

Auch um diesen Stupa, den die Tibeter Jarung Khashor nennen, ranken sich verschiedene Legenden. Eine davon besagt, dass ihn die Prostituierte Jadzimo zusammen mit ihren vier Söhnen vor langer Zeit mit Billigung des Königs errichtet hätte. Bei der Einweihung wurde der Stupa mit der Kraft von 100 Millionen Buddhas beseelt, so dass jeder Wunsch des Betenden in Erfüllung geht.

Der Stupa wird mit einem der acht Verbrennungsplätze der Muttergottheiten (Astamatrkas) in Verbindung gebracht. So erfährt gleichfalls die Muttergottheit Pukashi, eine tantrische Abwandlung der hinduistischen Gottheit Sitala und identisch mit der Göttin Hariti von Swayambunath, in Bodnath Verehrung.

Auch architektonisch ist der Stupa von Bodnath ein höchst bedeutsamer Beitrag zur buddhistischen Kunst. Die Halbkugel ruht hier auf stufenartig ansteigenden Plattformen. Hinter dem Bauwerk verbirgt sich ein vielschichtiges Symbolgefüge, ein bewusst in die Baukunst umgesetztes Mandala, das den Kosmos verkörpert. Von den neun Ebenen, die den Weltberg Meru darstellen, symbolisiert der Sockel die Unterwelt, die Sequenz der drei rechteckigen Terrassen die diesseitige Welt, die Halbkugel mit ihrer Spitze hingegen die Welt der Götter. Aber auch als das Abbild der Grundelemente lässt sich das Bauwerk interpretieren. Demzufolge stellt der rechteckige terrassenförmige Unterbau die Erde dar, die Halbkugel das Wasser, der gestufte Turm das Feuer, der Schirm die Luft und die Spitze die Sphäre oder das reine Bewusstsein. Der Hauptaufgang zu den Plattformen befindet sich an der Nordseite, der Himmelsrichtung, die vom transzendenten Buddha Amoghasiddi bewacht wird. In den 108 Nischen am runden Sockel des Stupa sind die 108 Erscheinungsformen des Bodhisattva Avalokiteshavara dargestellt, der in Bodnath besondere Verehrung genießt.