Israelreise 15. Tag, Freitag, Yad Vaschem und Israel-Museum

Heute erwartet uns das Israel-Museum. Das Modell Jerusalems aus der Zeit des Herodes im Maßstab 1:50 erinnert mich an meine Kindheit, als ich noch mit Bauklötzen gespielt habe. Hier ist das in Perfektion ausgeführt. Das müssen Künstler gewesen sein, denn so perfekt kann man nicht „spielen“. In dem Modell ist Jerusalem im Jahre 66 v.Chr. dargestellt. Dort ist der zweite Tempel der Juden zu sehen, den die Juden heute noch an der Klagemauer anbeten.
In dem Schrein des Buches sind die Bibelhandschriften aus Qumran zu finden. Über den Besuch der Ausgrabungsstelle hatte ich bereits berichtet. Eindrucksvoll sind die neu renovierten Abteilungen des Hauptmuseums. Etwas überrascht war ich, als ich mitten in mittelamerikanischen Figuren der Olmekenzeit gestanden habe. Das setzte sich fort mit dem indischen Gott Ganesch (der mit dem Elefantenkopf) und mongolischen Göttern aus der Zeit von Dschingis Khan. Die Vielfältigkeit des Museums kann man eigentlich nicht beschreiben, denn dann begegnete mir ein Prunkzimmer aus der Zeit August des Starken. Auch moderne Kunst aus dem Bereich des Expressionismus und andere Kunstrichtungen laufen einem da über den Weg. Man braucht Wochen, um alles ansehen zu können. Zum Schluss sah ich dann die Abteilung der jüdischen Geschichte. Hier gibt es Synagogen aus verschiedenen Ländern zu bestaunen. Vielleicht bin ich in der falschen Richtung durch die vielen Ausstellungen gegangen.
Die Malereien der russisch- jüdischen Künstlerin Zoja Cherkassky haben nachdenklich und betroffen gemacht. Ihre Bilder zeigen den Kontrast zwischen dem Leben in Russland vor der Auswanderung und das Leben in Israel danach in drastischen Szenen.
Wir besuchen Yad Vaschem, die Gedenkstätte des Holocausts. Die Fakten des Holocausts sind uns ja eigentlich bekannt. In einer solchen Dichte und Zielgerichtetheit schockiert die Ausstellung der Zeit der Judenverfolgung vor und während des 2. Weltkrieges. Der Pavillon zum Gedenken an die Kinder ruft fast Schwindel hervor. In einer stockdunklen Halle schweben scheinbar tausende brennende Kerzen und eine Stimme nennt Namen und Alter von ermordeten Kindern. Insgesamt haben die Nazis 6 Mio. europäische Juden vernichtet.
Am Nachmittag erleben wir in der deutschen Freitagsschule nachhaltige Friedensarbeit: Hier lernen jüdische und arabische Kinder gemeinsam Deutsch – und das vom Kindergarten bis zum Abitur! Unseren Fragen stellte sich die Leiterin der Schule, die Vorsitzende des Vereins und einige Eltern. Die Schule, in der die Freitagsschule Räume angemietet hat, ist eine von 5 Schulen in Israel, in der zweisprachig unterrichtet wird und wo Juden, Palästinenser und Christen in eine Schule gehen. Sonst begegnen sich jüdische und palästinensische Kinder gar nicht. Die anwesenden Eltern sind meist aus Deutschland eingewandert, meist wegen der Heirat mit einem hier wohnenden Partner. In der Unterhaltung werden die krassen Unterschiede zwischen Juden und Palästinensern noch deutlicher. So beträgt der Mindestlohn für einen Palästinenser nur etwa ein Viertel des eines Juden. Alle Anwesenden betonten aber, dass sie den Weg nach Israel nicht bereut haben.

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