Wadi Rum in Jordanien

Inzwischen sind wir von unserem Bus in geländegängig Jeeps umgestiegen. Der geschützte Teil des Wadi Rum wird durch ein Bauwerk versperrt, das gerade im Bau ist. Es sieht aus, wie ein kleine Festung. Dort sollen die Touristen später mal ihren Eintritt bezahlen und von hier ihre Erkundigungen des Wadi Rum beginnen. Es wird  auch eine Möglichkeit zur Rast und  Übernachtung hier geben.

Kurz danach halten wir an, um die Sieben Säulen der Weisheit zu fotografieren. Dieser Felsen gab dem vielbeachteten Buch von Lawrence von Arabien den Titel (https://www.welt.de/kultur/history/article11060064/Lawrence-von-Arabien-Held-Legende-Aufschneider.html).

Dann erweitert sich das Tal. Wir fahren noch durch ein Dorf, das sogar auf unserer Karte als Ort „Rum“ gekennzeichnet ist.

Kurz danach hört die Asphaltstrasse auf. Die Jeeps müssen sich jetzt ihre eigenen Spuren suchen.

Wir halten an einer Felsformation an, an deren Fuß auch Lawrence von Arabien mit seiner Streitmacht gelagert hat. Interessant ist, dass mitten in der Felswand grüne Blätter und sogar Palmen einen Platz zum Überleben gefunden haben. Für uns ist es allerdings kaum vorstellbar, wie das hier im Sommer ist. Wir haben blauen Himmel, aber die Luft ist doch sehr kalt. Ein paar Arbeiter mauern ein viereckiges Gemäuer. Das könnte der Beginn eines Gebäudes werden.

Weiter geht die Reise. Unseren Fahrer hat scheinbar der Ehrgeiz gepackt, denn von der letzten Position in der Reihe ist er jetzt auf die zweite vorgefahren. In der ersten zu fahren, ist möglicherweise nicht die beste Idee, denn als Zweiter kann man aus den Fahrfehlern des Ersten nur lernen. Den optimalen Weg im Sand zu finden, ist offensichtlich nicht so einfach.

Unterwegs sehen wir in ein paar hundert Metern eine kleine Beduinenkarawane. Ein Kamel trägt offensichtlich die Kinder, die Erwachsenen gehen zu Fuß und treiben die Esel an, die das Gepäck tragen. Ein paar andere treiben die Ziegen an, von denen die Gruppe lebt. Wir können uns nicht vorstellen, wie das Leben dieser Menschen ist.

Wir sehen am Fuße einer Felswand einige grüne Stellen, auf die wir zuhalten. Es scheint eine kleine Oase zu sein. Vielleicht auch nur genügend Wasser, um im Schatten der Felsen überleben zu können. Nach dem Aussteigen begrüßt uns im Mondtal ein versteckter kleiner gefiederter Sänger mit zartem „Piep“.

Unser Reiseleiter führt uns in eine Felsspalte. Dort sieht man nach einigen Metern in den Felsen eingeritzte Figuren und Tiere. Möglicherweise sind sie sehr alt. Etwas weiter, nach einigen waghalsigen Schritten, sehen wir sogar Wasser. Aufmerksam wird man darauf wegen der Spiegelungen der Sonnenstrahlen an den Felswänden.

Auch auf dem Rückweg fasziniert die Landschaft. Selbst Fotos oder Filme können diese Schönheit nicht wiedergeben. Wieder begegnen wir einer gut behüteten Ziegenherde. Was fressen die Ziegen hier?

Es ist schon beeindruckend, was die Natur so geschaffen hat. Hier haben Wind, Wasser und das Wetter über Jahrhunderte diese Landschaft gestaltet. Solche bizarren Formen, die Farben des Sandes, die Sonneneinstrahlung und das Licht überhaupt, alles im Zusammenspiel ist unvergleichlich und unvergesslich.

Zurück am Ausgangspunkt der Jeepfahrt diskutiert unsere Reiseleiterin mit dem Chef, der uns vor der Abfahrt die Getränke verkauft hat. Dann teilt sie uns mit, dass die geplante Begegnung mit den Beduinen leider nicht stattfinden kann, da sie als Fahrer für eine weitere Reisegruppe gebraucht werden. Aber es gibt eine Möglichkeit, sich mit einem Bewohner des nahen Beduinendorfes zu treffen. Er lädt uns, d.h. alle 25 Reisenden,  zu sich nach Hause ein. In Deutschland wäre das in dieser Sponaneität wohl unvorstellbar.

Also steigen wir in den Bus. Nach wenigen Minuten Fahrt durch das Dorf halten wir vor einem mit Rizinuspflanzen eingezäunten Grundstück. Das Haus ist nicht größer als unsere Garage, allerdings nur einstöckig. Es scheint noch im Rohbau zu sein. Vor dem Haus sind Matratzen und Decken im Viereck ausgelegt, auf die wir uns setzen dürfen. Dann kommt der Hausherr und im Hintergrund noch eine Reihe anderer Dorfbewohner. In der Mitte des Vierecks flackert ein Feuer, in dem eine Blechkanne steht, deren Form hier typisch für Kaffeekannen ist. Sie ist von außen rußgeschwärzt.

Unser Gastgeber öffnet den Deckel der Kanne und schüttet Kardamom hinein. Ist der Kaffee schon drin? Nach dem Aufkochen nimmt er Porzellanschälchen und bietet der Reisegruppe zur Begrüßung Kaffe an. Erst danach beginnt die Konversation.

Unser Gastgeber ist 27 Jahre alt. Hat einen 2,5 jährigen Sohn Sultan, den er uns mit Stolz vorstellt, und eine 20-jährige Frau. Sie ist im Haus und kocht Tee für uns. Jetzt bekommt jeder sein Teeglas, und Sultan muss seinem Vater helfen.

Unser Gastgeber hat vor ca. 3 Jahren geheiratet. Er musste seinen Schwiegereltern einen Brautschatz in Höhe von 1000 JD versprechen und im Falle einer Scheidung weitere 2000 JD. Für ihn ist das eine unvorstellbar große Summe.

Er hat sich mit seiner Familie sesshaft gemacht, weil er nicht genügend Ziegen hatte, um seine Familie zu ernähren. So nahm er einen Job als Kraftfahrer eines Jeeps an, um Touristen in den Wadi Rum zu fahren. Jetzt ist er arbeitslos und möchte sich ein Auto kaufen (wovon?), um privat Touristen zu fahren.

Nach der Frage, was ihn von uns interessieren könnte, lächelt er nur und sagt, er habe keine Fragen. Wir sollten lieber ihm weitere Fragen stellen.

Für uns war das alles sehr eindrucksvoll, für ihn sehr aufregend. Jetzt wird das ganze Dorf darüber reden und ihn beneiden. Das ist ihm vermutlich Belohnung genug.

Als wir in den Bus steigen, sehen wir, wie die Dorfbewohner, die im Hintergrund gesessen haben, einige Matratzen in Autos laden und in Richtung Dorf davon fahren.

Tanz der Beduinen

Auf dem Weg zum Wadi Rum  biegen vom Highway auf eine Asphaltstrasse ein, die wieder an einer Felsformation in einem Tal entlang geht. Rechts von uns sehen wir eine Eisenbahnlinie. Die erste, die wir hier sehen. Es ist eine Industriebahn. Hier werden die abgebauten Phosphate in den Hafen nach Aqaba zum Export transportiert.

Nach ca. 15 Minuten biegen wir links in Richtung eines Dorfes ein. Die Bewohner sehen uns ohne besonderes Interesse nach, nur zwei Hunde erzürnen sich maßlos über unseren Bus. Das Ziel ist ein mit einer Mauer umgebener Komplex, eine ehemalige Station der Wüstenpolizei.

Dort erwarten uns fünf Jeeps und die entsprechende Besatzung. Zuerst setzen wir uns in eine Runde. Es werden uns Kaffee oder Tee, je nach Wunsch, serviert. Hinter uns versucht einer mit mehr oder weniger Erfolg aus einer elektronischen Orgel vernünftige Töne zu zaubern. Als er seinen richtigen Rhythmus gefunden hat, reihen sich die fünf Beduinen, die uns bedient haben, zu einer Reihe und tanzen einen recht wilden Reigen.

Auf dem Weg zum Wadi Rum

Auch heute können wir uns kaum satt sehen an den landschaftlichen Schönheiten. Nach einer geraumen Weile halten wir am Ausgang des Gebirges an und schauen in eine weite Ebene. Bis zum Horizont sehen wir Sand, von kleinen und größeren Steinen übersät. Eingerahmt wird die Ebene von einer Gebirgskette. Unsere Reiseleiterin erklärt uns, dass das der Anfang des Wadi Rum sei.