Jakutien 2005 Küsür

Beim Landgang gehen wir erst ein Stückchen die „Straße“ entlang, danach wechseln wir auf den „Bürgersteig“. Das ist ein wirklicher Bürgersteig, denn mehrere Bretter bzw. Latten nebeneinander, ca. 75 cm breit und 50 cm über dem Boden, dienen als Laufweg. So können wir den Weg zum Kulturhaus nicht verfehlen. Die Häuser haben fast alle schon bessere Tage gesehen. Sie haben schlechte, brüchige Fenster und klapprige Türen. Aber bei dem Wetter, was hier ständig herrscht und der Armut ist das kein Wunder. Sämtliche Leitungen verlaufen auch hier natürlich überirdisch. Die Isolierungen sind teilweise recht schlecht. Da kann im Winter bestimmt das eine oder andere einfrieren. Die kleine Trafostation, eigentlich ein mit Diesel betriebenes Notstromaggregat, sieht eher aus wie ein Schrotthaufen.

Vor dem Kulturhaus springen viele Kinder herum. Manche haben Kostüme an, in denen sie dann ihre Tänze vortragen werden. Im Vorraum sind wieder Tische aufgebaut mit schönen Handarbeiten. Es gibt auch Pelzstiefel und Pelzmäntel. Ein weißer Polarfuchsmantel interessiert Renate und mich. Aber wo sollen wir den denn tragen? So kalt ist es ja in Deutschland kaum. Am schönsten finde ich handgemachte Puppen in Nationaltrachten vor kleinen Jurten bzw. Jagandas. Dann nehmen wir im Saal Platz und die Vorstellung beginnt. Wir werden begrüßt und Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen tanzen ihre Folkloretänze. Es gibt auch Gesangseinlagen. Sehr beeindruckt uns eine 76-jährige Ewenin, die ein Lied in ihrer Muttersprache singt. Die Sprache der Ewenen ist fast vergessen und ausgestorben. Die Ewenin versucht, ihre Sprache an die Jugendlichen weiterzugeben.

Nach dem Konzert gehen wir uns noch etwas den Ort ansehen. Das Wetter wird immer schlechter, so gehen wir zurück zum Schiff.

Jakutien 1005 Schigansk

Unser Schiff ankert und eine Fähre legt längsseits an. Wir steigen um und die Fähre bringt uns an Land. Hier werden wir von Jakutinnen begrüßt. Sie wedeln den Rauch eines Feuers, in dem sie Fladen und Kumys verbrennen, und begrüßen uns auf diese Weise ganz herzlich. Eine kleine Sensation sind wir schon. Es kommt nicht oft vor, dass hier Ausländer an Land gehen. Wir erklimmen die Böschung und gehen eine Straße entlang. Es ist wohl mehr ein Feldweg. Aber hier lohnt es nicht, Straßen wie bei uns zu bauen. Der langanhaltende Frost würde sie zerstören. Die Häuser rechts und links des Weges sind im Wesentlichen Holzhäuser, teils einstöckig, teils zweistöckig, die hinter den Fensterscheiben viele Blumen und Kräuter stehen haben. Wir kommen an einem Rynok vorbei, hier gibt es Textilien, Schuhe, schöne Tücher.

Wir gelangen zu einem Platz, an dem uns die einheimische Bevölkerung in Trachten begrüßt. Es sind kleine Stände aufgebaut, auf denen Handarbeiten, z. B. Ketten mit Fellanhängern und Pelze zum Kauf angeboten werden. In Holzjurten werden Spezialitäten zum Kosten gereicht, Salate und belegte Brötchen. Gegen einen kleinen Obolus kann man alles probieren.

Junge Mädchen und Jungen zeigen uns Tänze und singen. Es wird auch auf dem Chomus gespielt und dazu gesungen und getanzt. Es ist eine fremde Welt, die da gezeigt wird. Die Tänze haben sehr einfache Schrittfolgen und sind aber trotzdem nicht langweilig. Man sieht, dass die Mädchen Spaß am Tanzen haben. Wie bei uns, sind die Jungen, die an den Vorführungen teilnehmen, in der Minderzahl. Nach der Folklore besuchen wir das Landeskundemuseum, das in einem Holzhaus untergebracht ist. Dort machen wir uns mit der Lebensweise der einheimischen Bevölkerung bekannt. Die klimatischen Bedingungen beherrschen die Lebensweise.

Werner und ich lassen sich mit einem Rentier fotografieren. Dazu tragen wir Originaltrachtenjacken. Die sind ganz schön schwer. Aber halten sehr warm.

Das Schiff legt ab, wir winken Schigansk noch einmal zu und gehen dann zum Mittagessen.

Jakutien 2005 Vilju Mündung

Das Anlegemanöver ist wieder staunenswert. Die Leichtmatrosen haben zu tun, das Schiff sicher an Land zu vertäuen.
Wir können uns an dem Stückchen Strand frei bewegen. Es gibt nur eine Warnung vor wilden Tieren. Es ist ein schönes sandiges Ufer, wo das Spazieren gehen richtig Spaß macht. Das Wetter ist etwas trübe. Wir erklettern die Böschung und versuchen, etwas in das Unterholz vorzudringen. Es ist alles dicht und wir kommen nicht wirklich voran. Es gibt hier Johannisbeeren und Himbeeren. Die Sträucher und Büsche sind wie bei uns, Erlen, Birken, Weiden, allerdings viel kleiner. Die Gräser sehen aus, wie bei uns zu Hause. Ein paar Pilze sind im Unterholz zu finden. Wir kennen sie nicht. Am Strand sind einige Spuren, große Abdrücke, die wir nicht deuten können. Ein verlassener Bau wird von uns gefunden. Aber bei so vielen Leuten ist es nicht verwunderlich, dass die Tiere verschwinden. Die Taiga zeigt uns, was wir hier erleben könnten, wenn wir uns auf ein größeres Abenteuer einlassen würden.
Einige der Schiffsbesatzung steigen in den Fluss und werfen ihre Angel aus. Der Fang kann sich sehen lassen.
Am Ufer, vor dem Schiff gibt es eine echte sibirische Ucha, eine Fischsuppe. Dazu natürlich auch einen Wodka. Die Ucha schmeckt vorzüglich.
Gegen Mittag legt das Schiff wieder ab und wir fahren weiter.

Jakutien 2005 An Bord

Fast jeden Abend werden wir mit unterschiedlichen Darbietungen unterhalten. Hier sind einige Impressionen dargestellt. Interessant war auch der Besuch der Brücke und der Weg, den das Schiff von der Werft Wien Korneuburg bis nach Jakutsk genommen hat.

Jakutien 2005 Beschwörung

Nach dem Mittagessen bereiten wir uns auf unseren Aufstieg auf die Lenafelsen vor.

An Land klettern wir die Böschung hinauf und gelangen zu einem rituellen Platz.

Hier empfangen uns ein Mann und eine Frau in jakutischer Tracht. Die Frau trägt eine wundervolle Zobelmütze. Auf diesem rituellen Platz steht ein Götzenstein, er wurde hier aus den Steinen des Lenafelsen errichtet und hat das Gesicht des Lenageistes. Als Abgrenzung stehen im Halbkreis gegenüber dem Götzenstein kleine Steine, auf denen jakutische Zeichen sind. In der Mitte des Platzes wird ein Feuer angezündet und der Jakute beginnt mit der Geisterbeschwörung. Er wirft Fladen in das Feuer und tropft Kumys hinein. In der Zwischenzeit begrüßt uns die Jakutin auf Russisch. Eine unserer Dolmetscherinnen übersetzt. Sie erzählt über Jakutien, die Errichtung des Geistersteines und erklärt uns das Ritual. Es dient dazu, den Lenageist gütig zu stimmen für unseren Aufstieg auf die Felsen. Drei junge Frauen, (die Sängerinnen unserer Bordband) stimmen einen jakutischen Gesang an. Danach heben die zwei Jakuten ihre Hände zur Sonne und richten ein Gebet, mehr Singsang, an den Geist der Lenafelsen. Wir heben ebenfalls die Hände und versuchen den Refrain zu wiederholen. Dann bilden wir einen Kreis, fassen uns an den Händen und beginnen einen Rundtanz zum Gesang der Jakutinnen. Die Jakutin erklärt uns jetzt, dass jeder von uns ein schwarzes Mal auf die Stirn gemalt bekommt. Das gewährt uns einen unfallfreien Auf- und Abstieg auf die Felsen.

Am Polarkreis