Aqaba am Roten Meer

Auf dem Weg vom Wadi Rum nach Aqaba öffnet sich das Tal zum Meer hin und wir passieren eine Zollkontrollstation. Aqaba ist eine Freihandelszone. Wer das Tal in Richtung Inland verlässt, muss hier seinen Zoll bezahlen.

Aqaba ist eine Stadt am Meer mit ca. 40.000 Einwohnern. Sie liegt im Vierländereck am Roten Meer am Golf von Aqaba: Saudi Arabien im Südwesten des Golfs, Jordanien im Nordwesten mit einer Küstenlänge von ca. 38 km, Israel im Nordosten mit einer Küstenlänge von ca. 12 km und Ägypten im Südosten des Golfs.

Uns erwartet eine grüne Oase nach all der kargen Landschaft. Der Bus fährt direkt zum Hotel. So sehen wir nicht allzu viel von der Stadt. Wir steigen am besten Hotel am Platz im Radison SAS ab. Uns überrascht das Flair. Viel Glas, insbesondere zum Meer zu, ein ansehnlicher Swimmingpool und die Zimmer im Seitengebäude mit offenen Gängen. Das Zimmer ist gut ausgestattet und gemütlich.

Wir beschließen, das schöne Wetter zu nutzen und uns in die Wellen des Meeres zu stürzen. Das Wasser hat 22°C und die Sonne scheint wunderschön warm. Jetzt erinnern wir uns an den Kontrast zum Wetter in Amman.

Es ist schon toll. Allerdings ist es im Sommer möglicherweise noch angenehmer. So beschließen wir nach dem Trocknen in der Sonne uns zu Fuß in die Stadt zu begeben.

Unterwegs treffen wir andere Mitreisende, die arg enttäuscht sind, weil sie die „Stadt“ nicht gefunden haben. Dadurch lassen wir uns nicht entmutigen und finden das Zentrum. Dort gibt es auch eine Wechselstube, die unsere Euros zu einem guten Kurs tauscht. So ausgerüstet suchen wir einen CD-Laden, um Musik für unser Urlaubs-Video zu erwerben. In einem kleinem Eckladen, wo laute Musik erklingt, frage ich nach Musik auf CD, da dort nur Kassetten zu sehen sind. Der Verkäufer konnte leider keine Auskunft in Englisch geben, so nahm er uns mit in den Nachbarladen, der drei Telefonzellen verwaltet. Er konnte uns die Richtung schildern und schrieb auch die Straße auf – allerdings in Arabisch…

Die gewiesene Richtung stimmte. In einem kleinen überdachten Markt finden wir einen Laden, der CD’s ausgestellt hat. Wir kommen ins Gespräch mit dem jungen Mann. Er zeigt uns eine Reihe CD’s, spielt sie an und ist begeistert, exotische Touristen bedienen zu dürfen. Er bietet jedem von uns einen Kaffee an und brennt noch eine CD extra für uns.

Am Morgen des nächsten Tages treffen wir uns nach dem Frühstück im Nachbarhotel zur „Glasbodenbootsfahrt“. In zwei Booten fahren wir an der Küste entlang in Richtung Hafen. Durch den Glasboden der Boote können wir das Unterwasserleben betrachten. Wir legen nochmals kurz am Ufer an, um für jeden Fahrgast eine Dose Fanta, Cola oder anderes an Bord zu nehmen. Daneben ist der Badestrand für die Jordanier. Sehr verwundert sind wir über die Kinder, insbesondere die Mädchen, die im Pullover und Hosen im Wasser sind. Andere Länder – andere Sitten.

Der Blick durch den Boden ist interessant. Die Bootsfahrer kennen natürlich die besten und interessantesten Stellen im Meer. Sie müssen allerdings den großen Pötten, die am Kai angelegt haben um Phosphat zu bunkern oder Container zu laden, umschiffen.

Blick über das Rote Meer auf Elias, Israel (hier gibts nehr davon). Wir legen nach dem Hafen noch am Aquarium an. Einige Mitreisende nutzen die Gelegenheit, um die Toilette aufzusuchen. Leider hat nur die Herrentoilette geöffnet. So muss einer der Angestellten „Schmiere“ stehen, als die Herren fertig sind, um den Frauen auch die Gelegenheit geben zu können.

Im Aquarium haben wir in mehreren großen und kleineren Aquarien die beste Sicht auf die Korallen und ihre Bewohner. Ich kann mir vorstellen, dass das als Taucher in freier Natur wahrscheinlich noch interessanter ist. Ganz putzig sind kleine schwarze Stacheligel, die ganz langsam an einem Stein entlang kriechen.

Auf der Rückfahrt bewundern wir noch ein Containerschiff, das die Container haushoch auf Deck gestapelt hat. Ich wage mir nicht vorzustellen, was dort bei Sturm passiert.

Im Hotel nehmen wir eine kleine Stärkung zu uns und gehen in die Stadt. Unser Ziel ist die Kreuzritterburg, oder das, was noch davon zu sehen ist. Das Castel ist noch recht gut erhalten.

Zuerst sehen wir uns das kleine Museum an. Dann entdecken wir einen Souvenierladen, bei dem wir uns für die Zuhausegebliebenen eindecken. Der Laden gehört zu einer Kette, die von Königin Noor gegründet wurde, um armen Gegenden in Jordanien zu helfen, deren Produkte hier verkauft werden.

Etwas oberhalb finden wir das Castel. Wir denken, dass der Anblick der Palmen auch die Kreuzritter schon begeistert hat. Ein kleiner Streifzug durch das Gemäuer lässt auch ein paar Geheimnisse erkennen, wie z.B. die Palmenstämme, die hier die Balken darstellen. Leider ist wenig Zeit, denn die Tore werden gleich geschlossen.

Auf dem Rückweg in Richtung Hotel streifen wir noch durch die Stadt. Dort pulsiert das Leben. Wie es aussieht, sind heute zum Freitag, der hier ja „Sonntag“ ist, auch einige Besucher aus dem nahen Saudi Arabien da, denn die Anzahl der tief verschleierten Frauen ist ungewöhnlich hoch. Die Freihandelszone bringt offensichtlich auch einige Vorteile für die Region.

Wir gehen durch die Gassen auf der Suche nach Gewürzen, die sich unsere Tochter gewünscht hat. In solche Winkel hätten wir uns in Deutschland in einer fremden Stadt möglicherweise nicht ge­traut. Hier jedoch fühlen wir uns irgendwie sicher. Die Verehrung der Frau hat auch zwei Seiten: Einesteils die Sicherheit, dass kein Mann eine Frau auf der Straße belästigt, andererseits die eingeschränkte Freiheit der Frau in dieser Gesellschaft.

Am Ende finden wir noch einen geschäftstüchtigen Händler, der uns noch einen Kaffee anbietet. Er weiß genau, dass er das vielfach zurück bekommt.

Der Weg zurück zum Hotel scheint uns ganz schön lang zu sein. Wir sehen auch Wohngegenden, in denen es sich bestimmt  gut wohnen lässt.