Jakutien 2005 Jakutk Abreise

Wir schauen zu, wie unsere „Swetlow“ wieder anlegt. Es ist Wehmut, die uns befällt, aber es warten ja noch ein paar Tage auf uns.
Wir verabschieden uns händeschüttelnd und dann stehen wir am Ufer und warten auf unsere Busse. Nach einiger Zeit kommen sie und wir steigen ein. Nun genießen wir die Fahrt zum Flughafen. Die Stadt sieht noch schlafend aus. Wir fahren durch fast menschenleere Straßen von Jakutsk. Die Straße ist recht schlecht, denn es hatte geregnet. Die Häuser sind in einem sehr unterschiedlichen baulichen Zustand. Wir betrachten die Häuser und die Straßen und die Eindrücke versuchen wir mit zu nehmen. Es ist alles vorhanden, schöne Fassaden, verfallende Häuser, schlechte Straßen, und die Frage, wer lebt wie hinter den Fassaden. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass wir dies nicht wieder sehen werden.

Jakutien 2005 Sottinsty

Entsprechend der klimatischen Bedingungen lebten die Jakuten sowohl in Sommer- als auch in Winterhäusern. Das Sommerhaus, Urasa, ist ein aus Holzstämmen zusammengefügter, kegelartiger Bau, der meistens mit Filz oder Leder abgedeckt wird. Er ist leicht zu transportieren und kann schnell abgebaut, zu den neuen Weidegründen gebracht und dort wieder aufgebaut werden. Zuerst sehen wir uns so ein Urasa an. Es ist recht geräumig darin und alle Teile haben ihren bestimmten Zweck. An den Wänden befinden sich die Schlafbereiche. Junge, heiratsfähige Mädchen bekommen ihre extra, mit Vorhang versehene Schlafkabine, 2 x 1 m Intimsphäre. Alle Gerätschaften haben ihren angestammten Platz. Ansonsten wohnt und lebt die Großfamilie hier. Jeder hat seine Aufgabe und alle müssen ganz einfach miteinander auskommen. Anders geht das nicht. Für den Winter benötigt man eine wesentlich stabilere Behausung. Hier muss auch Platz für eine Feuerstelle im Inneren sein. Man baute ein solches Winterhaus, Balagan, aus Holz, die Wände wurden zusätzlich mit Erde isoliert. Eigentlich sieht so ein Balagan von außen wie ein großer Erdhügel aus, aus dem eine kleine Rauchfahne steigt. Selbst Bäumchen und Sträucher wachsen darauf. Dieser rechteckige Balagan, den wir besuchten, bestand aus einem großen Raum, allerdings waren im Hintergrund einige Teile abgetrennt, durch Vorhänge. Dahinter befanden sich Kleiderschränke und ein Bett. An den Seiten befinden sich die Gegenstände des alltäglichen Lebens, ein Stein zum Mehl mahlen, Gegenstände zum Teig bereiten, Kellen, usw. In der Mitte ein großer Ofen, mehr Kamin, in dem mit großen Holzscheiten ein romantisches Feuer brennt. Allerdings dient das zur Beheizung und zum Bereiten von Speisen und Getränken und da bleibt im Alltag sicher nicht viel von der Romantik übrig. Und das Feuer dient auch zur Beleuchtung des Balagan. Es ist nicht sehr hell. Am interessantesten für mich ist die Gestaltung der rechten Ecke. Hier gibt es einen runden Tisch, auf dem lauter Kinderspielzeug liegt. Viele Kühe in unterschiedlichen Größen, Becher mit Stäbchen und noch andere verschiedene Dinge. Und dann stehen da noch zwei Puppenstuben, eine Urasa und ein Balagan. Darin alles maßstabsgerecht wie im Großen, mit Puppen. Das war faszinierend. Außerdem gab es noch Stoffpuppen mit Trachten, alles detailgetreu. Am liebsten hätte ich das mitgenommen oder ganz einfach hier eine Weile damit gespielt. Ich werde wohl doch alt und kindisch.
Zu einem richtigen Ostrog gehören mindestens ein Wachturm mit der entsprechenden Befestigung und eine Kirche.
Das Zentrum des Freilichtmuseums ist eine Kopie der Erlöserkirche des Zaschiwersker Ostrogs. Es ist eine aktive Kirche. Trotzdem können wir einen Blick ins Heiligste machen. Sicher rechnet man nicht mit dem Besuch von so neugierigen ungläubigen Fremden. Um die Kirche herum befinden sich Häuser nach den alten Mustern der Holzbaukunst der Völker Jakutiens.
Die alten Häuser gehörten ursprünglich russischen Händlern, stammen allerdings aus späterer Zeit, aufgrund der klimatischen Bedingungen ist eine Konservierung über so lange Zeit sehr schwierig. Das sieht sich alles sehr interessant an, und gibt uns einen kleinen Einblick, wie Einheimische und russische Eroberer miteinander lebten und sich den komplizierten klimatischen Bedingungen stellten.
Sehr informativ ist unser Besuch des Museums. Es ist in einem Steinhaus untergebracht. Die Fenster haben schon einige sibirische Winter hinter sich. Im Museum kann man sich mit der Kultur der Einheimischen des Nordens der Republik Sacha bekannt machen. Es gibt eine große Ausstellung von Holzgefäßen für Kumys (Stutenmilch). Sie haben alle unterschiedliche Verzierungen und sind von klein bis ganz groß vertreten. Es wird die nationale Kleidung der Jakuten des 19. bis 20. Jahrhunderts gezeigt. Es werden immer Kleidungsstücke von Paaren, Frauen und Männern, gezeigt, Kindersachen und Babytragen. Der Frauenschmuck ist ganz besonders beeindruckend. An den Wänden hängen Jagdtrophäen, wie Bärenfelle von Eis- und Braunbär, Füchsen, usw. Außerdem gibt es viele Sättel, für Männer und Frauen. Sie sind wunderschön verziert und farbig. Das alles macht einen tiefen Eindruck.
Der Fonds des Museums verfügt über viele Bilder. Sie erzählen von russischen Missionaren, die die Völker Jakutiens ans Christentum herangeführt hatten. Auch viele Expeditionen wurden in diese Region gemacht. Ihrer gedenkt man in Bild und Wort. Es gibt historische Stiche und viel Literatur, auch die Sowjetzeit wird dargestellt.
Die Landschaft verzaubert uns. Werner und Heinz wandern zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die Lena und unser Schiff sehen kann. Renate und ich sehen uns den Museumskomplex noch etwas an und besuchen den Verkaufsraum des Museums. Hier gibt es Getränke, Kekse und Silberschmuck.
Ein schönes Erlebnis haben wir, als wir nach der Besichtigung auf den Bus warten, der uns wieder zum Schiff bringen soll. Eine Gruppe Kinder und Jugendlicher kommt mit dem Fahrrad an und will ebenfalls das Museum besuchen. Die Erzieher erzählen uns, dass die Kinder eine Radtour durch ihre Heimat machen, damit sie diese besser kennen lernen. Wenn ich mir die Fahrräder ansehe, würde ich sagen, dass damit in Deutschland kaum ein Kind in dem entsprechenden Alter mehr fahren würde. Diese Kinder hier sind glücklich, dass sie mobil sind. Wir geben den Kindern bzw. den Erzieherinnen unsere restlichen Mitbringsel. Alle freuen sich und möchten ein Bild mit uns. Es ist ein schönes Erinnerungsfoto. Die Rückfahrt ist genauso schaukelig wie die Hinfahrt. Unterwegs nehmen wir unsere jungen Matrosen mit. Sie haben den Landgang genutzt, um die Kirche im Denkmal zu besuchen.

Jakutien 2005 Agrafena

Die Insel, an der wir anlegen, ist sehr wildromantisch. An einem sandigen Strand sind viele Bäume umgestürzt und liegen kreuz und quer. Wir haben Zeit zur Erholung am Ufer. Wir gehen spazieren, suchen Steine und bewundern die Naturwunder. Die umgestürzten Bäume und Äste liegen kreuz und quer und ergeben dadurch ganz interessante Gebilde. Es gibt aber auch Hagebutten und Beeren. Alina isst die Hagebutten. Für sie sind sie eine Delikatesse. Mir schmecken sie nicht so richtig.
Das Märchen der Agrafena wurde uns bereits als „Schauspiel“ erzählt (siehe #Tag10.)
Die Zeit vergeht viel zu schnell und wir müssen wieder an Bord.

Jakutien 2005 Lena

Die Bilder von den eindrucksvollen Uferlandschaften und der Mitternachstssonne, bei der der Sonnenuntergang nahtlos in den Sonnenaufgang übergeht, bilden unsere Eindrücke nur unvollkommen ab.

Jakutien 2005 Tiksi

Wir erreichen die Stadt auf einer abenteuerlichen Fahrt. Die Straßen sind ja nur Feldwege und so wackeln die Busse. Tiksi ist eine Stadt mit einem recht spröden Charme. Große Neubaublöcke in einem unterschiedlichen baulichen Zustand stehen rechts und links der Hauptstraße. In den Hinterhöfen sieht man hier und da schöne Kinderspielplätze. Wir gehen zum Polarmuseum. Das Polarmuseum liegt in der zweiten Etage eines Plattenbaues. In der 1. Etage befindet sich ein Hotel. Die Eingangstür steht auf und wir können einen Blick in das Foyer werfen. Es gibt viele Pflanzen, aber weiter ist nichts zu sehen.
Im Museum werden wir herzlich begrüßt. Kleinere und große Mädchen begrüßen uns mit Gesang und Tänzen. Dann singt ein Grieche auf jakutisch einen Schlager. Moderne Musik gibt es hier also auch.
Zu der Begrüßung werden uns Kumys und Blinis gereicht. Wir sehen uns anschließend das Museum an. Es sind die Flora und Fauna und Gegenstände, die die Jakuten benutzen, ausgestellt. Es gibt ausgestopfte Eisbären, Möwen, sibirischen Rebhühner usw. Interessant sind auch die Gebrauchsgegenstände der Jakuten, vorwiegend aus Leder und Holz gefertigt. In einigen Zimmern hängen Gemälde einheimischer Künstler. Beim Verlassen finden wir im Erdgeschoss einen Verkaufsstand. Renate kauft sich hier ein schönes Silberkettchen.
Wir bummeln durch die Hauptstraße, gehen in ein „Magasin“ und kaufen Wodka und Sekt. Das Warenangebot ist sehr interessant. Die Regale sind gefüllt, bloß alle Wodka- und Sektvorräte sind aufgebraucht, als unsere Reisegruppe eingekauft hat. Wir warten auf die Busse für die Rückfahrt. Es weht ein kühler Wind so fangen wir dann doch an und frieren ein wenig.
Wir machen auf der Rückfahrt einen Umweg und fahren ein Stückchen in die Tundra. Es sind nur Flechten und Moose, nicht nur am Wegesrand. In der Ferne sind sogar kleine Reste von Schnee und Eis in schattigen Lagen zu sehen.

Jakutien 2005 Tundra

Wir können schon vor dem Mittagessen einen kurzen Gang an Land machen. Vorher müssen aber noch die Grenzformalitäten für den Landgang erledigt werden. Wir klettern über zwei Schrottschiffe an Land. Es ist angenehm warm und fast windstill. Wir machen einen Spaziergang durch die Tundra. Die Gegend, die da vor uns liegt, ist recht flach. Man kann weit sehen. Am Horizont erkennt man Gebäude und nicht weit von unserer Landestelle befindet sich ein Gebäudekomplex, der sehr heruntergekommen aussieht. Hier wurde gebaut und danach nichts wieder in Ordnung gebracht. Auf dem Feld liegt ein riesiger Schrotthaufen, so nach dem Motto: Die Natur wird sich kümmern… .
Die Vegetation ist interessant, lauter kleine Blumen, blaue Glockenblümchen, Binsengras mit „Wattebüscheln“, gelber Mohn. Die Blumen erinnern an die bei uns zu Hause, nur nicht so groß sind sie hier.

Jakutien 2005 Küsür

Beim Landgang gehen wir erst ein Stückchen die „Straße“ entlang, danach wechseln wir auf den „Bürgersteig“. Das ist ein wirklicher Bürgersteig, denn mehrere Bretter bzw. Latten nebeneinander, ca. 75 cm breit und 50 cm über dem Boden, dienen als Laufweg. So können wir den Weg zum Kulturhaus nicht verfehlen. Die Häuser haben fast alle schon bessere Tage gesehen. Sie haben schlechte, brüchige Fenster und klapprige Türen. Aber bei dem Wetter, was hier ständig herrscht und der Armut ist das kein Wunder. Sämtliche Leitungen verlaufen auch hier natürlich überirdisch. Die Isolierungen sind teilweise recht schlecht. Da kann im Winter bestimmt das eine oder andere einfrieren. Die kleine Trafostation, eigentlich ein mit Diesel betriebenes Notstromaggregat, sieht eher aus wie ein Schrotthaufen.

Vor dem Kulturhaus springen viele Kinder herum. Manche haben Kostüme an, in denen sie dann ihre Tänze vortragen werden. Im Vorraum sind wieder Tische aufgebaut mit schönen Handarbeiten. Es gibt auch Pelzstiefel und Pelzmäntel. Ein weißer Polarfuchsmantel interessiert Renate und mich. Aber wo sollen wir den denn tragen? So kalt ist es ja in Deutschland kaum. Am schönsten finde ich handgemachte Puppen in Nationaltrachten vor kleinen Jurten bzw. Jagandas. Dann nehmen wir im Saal Platz und die Vorstellung beginnt. Wir werden begrüßt und Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen tanzen ihre Folkloretänze. Es gibt auch Gesangseinlagen. Sehr beeindruckt uns eine 76-jährige Ewenin, die ein Lied in ihrer Muttersprache singt. Die Sprache der Ewenen ist fast vergessen und ausgestorben. Die Ewenin versucht, ihre Sprache an die Jugendlichen weiterzugeben.

Nach dem Konzert gehen wir uns noch etwas den Ort ansehen. Das Wetter wird immer schlechter, so gehen wir zurück zum Schiff.

Jakutien 1005 Schigansk

Unser Schiff ankert und eine Fähre legt längsseits an. Wir steigen um und die Fähre bringt uns an Land. Hier werden wir von Jakutinnen begrüßt. Sie wedeln den Rauch eines Feuers, in dem sie Fladen und Kumys verbrennen, und begrüßen uns auf diese Weise ganz herzlich. Eine kleine Sensation sind wir schon. Es kommt nicht oft vor, dass hier Ausländer an Land gehen. Wir erklimmen die Böschung und gehen eine Straße entlang. Es ist wohl mehr ein Feldweg. Aber hier lohnt es nicht, Straßen wie bei uns zu bauen. Der langanhaltende Frost würde sie zerstören. Die Häuser rechts und links des Weges sind im Wesentlichen Holzhäuser, teils einstöckig, teils zweistöckig, die hinter den Fensterscheiben viele Blumen und Kräuter stehen haben. Wir kommen an einem Rynok vorbei, hier gibt es Textilien, Schuhe, schöne Tücher.

Wir gelangen zu einem Platz, an dem uns die einheimische Bevölkerung in Trachten begrüßt. Es sind kleine Stände aufgebaut, auf denen Handarbeiten, z. B. Ketten mit Fellanhängern und Pelze zum Kauf angeboten werden. In Holzjurten werden Spezialitäten zum Kosten gereicht, Salate und belegte Brötchen. Gegen einen kleinen Obolus kann man alles probieren.

Junge Mädchen und Jungen zeigen uns Tänze und singen. Es wird auch auf dem Chomus gespielt und dazu gesungen und getanzt. Es ist eine fremde Welt, die da gezeigt wird. Die Tänze haben sehr einfache Schrittfolgen und sind aber trotzdem nicht langweilig. Man sieht, dass die Mädchen Spaß am Tanzen haben. Wie bei uns, sind die Jungen, die an den Vorführungen teilnehmen, in der Minderzahl. Nach der Folklore besuchen wir das Landeskundemuseum, das in einem Holzhaus untergebracht ist. Dort machen wir uns mit der Lebensweise der einheimischen Bevölkerung bekannt. Die klimatischen Bedingungen beherrschen die Lebensweise.

Werner und ich lassen sich mit einem Rentier fotografieren. Dazu tragen wir Originaltrachtenjacken. Die sind ganz schön schwer. Aber halten sehr warm.

Das Schiff legt ab, wir winken Schigansk noch einmal zu und gehen dann zum Mittagessen.

Jakutien 2005 Vilju Mündung

Das Anlegemanöver ist wieder staunenswert. Die Leichtmatrosen haben zu tun, das Schiff sicher an Land zu vertäuen.
Wir können uns an dem Stückchen Strand frei bewegen. Es gibt nur eine Warnung vor wilden Tieren. Es ist ein schönes sandiges Ufer, wo das Spazieren gehen richtig Spaß macht. Das Wetter ist etwas trübe. Wir erklettern die Böschung und versuchen, etwas in das Unterholz vorzudringen. Es ist alles dicht und wir kommen nicht wirklich voran. Es gibt hier Johannisbeeren und Himbeeren. Die Sträucher und Büsche sind wie bei uns, Erlen, Birken, Weiden, allerdings viel kleiner. Die Gräser sehen aus, wie bei uns zu Hause. Ein paar Pilze sind im Unterholz zu finden. Wir kennen sie nicht. Am Strand sind einige Spuren, große Abdrücke, die wir nicht deuten können. Ein verlassener Bau wird von uns gefunden. Aber bei so vielen Leuten ist es nicht verwunderlich, dass die Tiere verschwinden. Die Taiga zeigt uns, was wir hier erleben könnten, wenn wir uns auf ein größeres Abenteuer einlassen würden.
Einige der Schiffsbesatzung steigen in den Fluss und werfen ihre Angel aus. Der Fang kann sich sehen lassen.
Am Ufer, vor dem Schiff gibt es eine echte sibirische Ucha, eine Fischsuppe. Dazu natürlich auch einen Wodka. Die Ucha schmeckt vorzüglich.
Gegen Mittag legt das Schiff wieder ab und wir fahren weiter.

Jakutien 2005 An Bord

Fast jeden Abend werden wir mit unterschiedlichen Darbietungen unterhalten. Hier sind einige Impressionen dargestellt. Interessant war auch der Besuch der Brücke und der Weg, den das Schiff von der Werft Wien Korneuburg bis nach Jakutsk genommen hat.