16.Tag, Am Issyk-Kul

Heute fahren wir halb um den Issyk-Kul nach Karakol, der administrativen Hauptstadt des Issyk-Kul-Gebietes. Bis zum Abend haben wir genügend Zeit, um die ca. 200km zu bewältigen. So gibt es hin und wieder einen Fotostopp, um die Bergwelt des Tienschan für zu Hause festzuhalten. Wirklich eine tolle Landschaft. Sogar das Haus der Baba Jaga, das bekanntlich auf zwei Hühnerbeinen steht und sich auf Befehl drehen kann, sehen wir. Beim näher Hinsehen stellen wir ein ganz normales Haus auf Stelzen fest – welch ein Trugschluss. Zwischen den Pausen macht uns unsere Reiseleiterin auf die Grabhügel der Skyten aufmerksam. Ohne ihre Hinweise wäre uns die Besonderheit der Grashügel gar nicht aufgefallen. Dabei unterrichtet sie uns über so manche religiöse Entwicklung in dieser Gegend. Insbesondere der Schamanismus hat hier tausende von Jahren überlebt. Dieser Glaubensrichtung sind wir schon einmal am Baikalsee begegnet. Erst jetzt nach der Perestroika fühlen sich eine Reihe von Personen berufen, als Schamane Krankheiten zu heilen, wahrzusagen und die Leute in allen Lebenslagen zu begleiten. Manche Kirgisen gehen auch lieber zu Schamanen, weil hier die Behandlung billiger ist als im Krankenhaus.

Kendsche, unsere kirgisische Reiseleiterin, berichtet in bewegenden Worten von Ihren Erfahrungen beim Übergang von der Sowjetunion zur souveränen Kirgisischen Republik. Hier wird uns zum wiederholten Mal klar, dass man kaum einen Bericht über die Republik in unseren Medien vertrauen kann. Sie berichtet über die Korruption der ersten Präsidenten und den Übergang zur parlamentarischen Demokratie. Sie erzählt, welche unfassbaren Probleme auf die Bevölkerung beim Übergang zur Marktwirtschaft zukamen. Viele älteren Leute haben bis heute diesen Wandel noch nicht verstanden und loben die Sowjetzeit.

In Karakol liegt einer der bedeutendsten Asienforscher, Nikolai Przewalski, begraben. Über Jahrzehnte inspirierte er mit seinen Forschungsergebnissen Wissenschaftler in aller Welt. Im Museum erfahren wir mehr über seine Arbeit. Hier erinnern wir uns an unseren Urlaub in der Mongolei, wo extra zwei junge Niederländer mitgefahren sind, um das Ergebnis ihrer jahrelangen Arbeit bei der Aufzucht der Przewalski Pferde in Holland bei der Auswilderung in der Mongolei zu sehen.

Karakol empfängt uns multikulturell: Die chinesisch anmutende Dunganen-Moschee hat ihre besonderen Regeln. Jede Frau, die das Gelände betritt, muss sich einen Mantel überziehen. Für uns Männer ist das ein besonderer Augenblick, denn jede Frau erhält einen andersfarbigen Mantel in leuchtenden Farben. Die Moschee wurde nach der Perestroika wieder in Betrieb genommen und besticht durch seine chinesische Bauweise und farbenfrohe Ausgestaltung. Das Minarett passt gar nicht in das Bild, denn ist ein windschiefer ehemaliger Feuerwachturm. Finanziert hat den Aufbau und die Renovierung die Türkei. Da in der Sowjetzeit den Muslimen die Ausübung ihrer Religion nicht erlaubt war, wurden damals fast alle Moscheen anderweitig genutzt oder abgerissen. Jetzt wird fast in jedem Dorf mit Unterstützung der Türkei oder Saudi Arabiens eine neue Moschee gebaut. Man kann sich darüber wundern, aber in Deutschland hat ja auch jedes Dorf seine Kirche.

Umduftet von Rosen erhebt sich an unserem nächsten Ziel eine russisch-orthodoxe Kirche in den Himmel. Sie ist ebenso wie die vorher besuchte Moschee ganz aus Holz gebaut. Wir dürfen die Kirche besuchen, müssen aber schweigen. In der Kirche werden gerade drei kleine Kinder getauft. Es ist interessant, den Eltern und Verwandten bei der Zeremonie über die Schulter zu schauen. Den Täuflingen gefällt die Prozedur überhaupt nicht. Das tun sie mit lautem Geschrei kund.

Mit ihren bizarren Sandsteinformationen regt die nahe Schlucht Sheti Oguz unsere Fantasie an. Ein Spaziergang entlang des reißenden Flusses bringt eine Reihe von interessanten Fotomotiven. Mal sehen, ob die Bilder dann unsere Emotionen bei der Wanderung wirklich wiedergeben. Die Flussufer werden von Einheimischen gern als Picknickplatz genutzt. Wir sehen drei größere Gruppen, die hier ihren Tee kochen. Die Kinder nutzen die Freiheit, um mal so richtig herumzutoben.

Unser heutiges Ziel ist das privat geführte Gästehaus „Green Yard“ (We have been awarded as a “Best Hotel of Kyrgyz Republic in 2011, 2012, 2013, 2014 and 2015” by Kyrgyz Association of Tour Operators and Grand Prix as a “Best hotel in Kyrgyz Republic” by Kyrgyz Tourism Awards http://greenyard.kg/en/). Die Besitzerin lässt uns ein ausgezeichnetes Abendessen servieren. Sie erzählt, dass sie das Hotel mehr als 20 Jahre betreibt und viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Da sie als Ärztin nach der Perestroika nur sehr wenig verdiente hat sie sich selbständig gemacht. Jetzt setzt sie auf den Tourismus. Im Internet findet man als einzige negative Rezension, dass man am Eingang des Hotels seine Schuhe ausziehen muss und bequeme Pantoffeln erhält. Das finden wir nicht als Kritikpunkt. Im Gegenteil, das macht die Bewegungen im Hotel sehr bequem. In keinem Hotel konnten wir bisher mit unseren Hausschuhen zum Abendessen gehen.

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